Neues aus Mexiko. Auf Ruter ist eine kleine Sample-EP “Ruter Compilation / Edits” erschienen. Sechs zumeist housige Tracks von eher bekannten und eher unbekannten Künstlern der Netaudioszene.

Leider ist gleich der erste Titel ein Reinfall. “Roads” von Jiony  ist nur nerviges Gefiepe und Gedudel. Einfach überspringen und sich “Never gonna let you go” von Love Bites anhören. Wunderbarer Deep House mit viel Groove und – für Netlabel Veröffentlichungen leider noch recht ungewöhnlich – Gesang. Gewürzt wird mit Rhodes und einem ziemlich fetten Electrobass. Macht Laune.

Es geht weiter mit “Hold It Attach It Connect It” von Nalé García, der voll auf die Tanzfläche zielt. Treibende Beats gehen gut nach vorne bis nach knappen anderthalb Minuten mit dem Bass auch der Housegroove einzieht. “Hold It Attach It Connect It” wandert auf dem schmalen Grat zwischen Tech und Deep House und zitiert frech Disco. Schickes Teil. Nummer vier im Bunde ist “Something” von Rubinskee, den wir vom ebenfalls mexikanischen Netlabel Konfort kennen. “Something” mutet wie eine Collage aus Soundschnipseln und Samples an, was es wohl auch ist. Deutlich zitiert Rubinskee den Funk und Soul der 1970er Jahre, mischt aber einen sehr modernen Housebeat darunter. Vielleicht der eigenwilligste, aber auch schillerndste Titel der EP.

Wizer lässt in “You’re My Everything” auch den Sound der 1970er einziehen. Unterlegt wird das ganze mit einem beinahe dubtechnoiden Beat, bis der Four-to-the-floor-Rhythmus zum Breakbeat mutiert. Ganz dunkler House. Vielleicht eher für die Kopfhörer als für die Tanzfläche.

Mit “Wilhelms Scream” von Xixa endet Ruters kleine Compilation wieder recht funky. Zwischen Deep House, Disco und Electrofunk glitzert und funkelt sich der Abschlusstitel über die Tanzfläche, durch die tanzende Menge hinaus in die Nacht.

Anspieltipp: Nalé García - ”Hold It Attach It Connect It”

Noch was von Sologroove, da gibt’s einiges nachzuholen. Tekk bringt Veröffentlichung 41: “Tekkoism EP”.

Der 4-Tracker zwischen Deep House, Techno und Tribal House beginnt mit “All the good things”, einem schön vor sich hin groovenden Stück Tribal House. Für meinen Geschmack ein bisschen zu lang geraten, fünf Minuten hätten es auch getan, aber trotzdem cool. Es geht weiter mit “Hard Rhodes”, das den Tech House der frühen 2000er Jahre zitiert, pumpt und treibt bis es kurz nach der Hälfte in einen beinahe trancigen Breakdown mit besagtem Rhodes mündet. Scharf!

“Polysynthesis” beginnt deep, mit Anleihen im Dubtechno, zitiert bald Detroit und im Bass den 2011er Popdance, im Buildup stöhnt eine Frau, hier und da fiept und piept es wie im Kommerzhouse 2007 und schon sind alle gängigen Houseklischees bedient. Macht Laune!
Mit “Scroll Down and Doubleclick” endet die EP ziemlich technoid. Zumindest denkt man das, bis hier ähnlich wie in “Hard Rhodes” der Breakdown kommt und es funkiger wird. In der zweiten Hälfte des Titels ist vom Tech House des Anfangs nichts mehr übrig. Und so entlässt “Tekkoism” uns deephousig groovend in die Nacht.

Eine tolle kleine EP mit viel House, Funk und Glitzer. Durchweg empfehlens- und hörenswert.

Anspieltipp: Polysynthesis

Nach einer etwas längeren Pause (seit Februar) dachte ich schon eines meiner Lieblingsnetlabel “Sologroove” aus der Slowakei hätte dichtgemacht. Aber seit September gibt es wieder Musik auf Sologroove. Die Nummer 39 des Katalogs ist die “Systematic Sounds EP” von Nevy.

“Deep in the sound” läutet die EP ziemlich – nun ja – deep ein. Langsam erheben sich die Streicher über den Groove, dessen verstreute Synkopen für eine willkommene Auflockerung des Four-to-the-floor sorgen. Die Nummer zwei “House music is my drug” ist der Schwachpunkt. Alte Sounds, eines der bekanntesten und ausgelutschtesten Samples der Houseszene und kein Spannungsbogen im Arrangement. Einfach skippen.

Der namensgebende, beinahe elf Minuten lange Titel “Systematic Sound” besticht mit entspannten, deephousigen Rhythmen und einem langsamen Arrangement. In den letzten zwei Minuten wird es noch mal techhousig.

Der Schlusstitel “Try to love me” sonnt sich in Lateinamerika und bringt die typischen Klänge des Latin House mit, hält sie aber dezent im Hintergrund. Entspannter Sommernachmittag obwohl wir gerade die längste Nacht des Jahres hatten. Schick.

“Systematic Sound EP” ist eine nette kleine Veröffentlichung, aber einen richtigen Knaller hat sie nicht zu bieten.

Anspieltipp: Try to love me

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Oh, ein Netlabel, das ich noch nicht kenne: Catnap. Gleich mal nach den House-Releases gesehen und da sticht eines besonders hervor. „Tilde“ von Dick Flacid ist dick aufgetragener Peaktime House ohne Schnickschnack. Folgendes schreibt Catnap zum Release:

“Tilde (LOKW-011) is the debut release of Dick Flacid, released in late 2007 on Lo-Kiwi Netlabel. Since Lo-Kiwi ceased to exist, hence making it hard to find or download, we thought it would be appropriate to have it available here. Take an electro house ride with Dick, you won’t regret it. Rodeo!”

Knackige Basslines bringen die Tanzfläche zum Beben, oder massieren dein Trommelfell beim entspannten Kopfhörergenuss. Knackig, groovig, geradlinig. Eine tolle kleine EP.